Giancarlo Lamonaca – nulla accade veramente

Opening: 21.10.2014
Kuratiert von: Sabine Gamper
Der Künstler ist anwesend.
Dauer der Ausstellung: 22.10. – 22.11.2014

Giancarlo Lamonaca, Nulla accade veramente, exhibition view

Giancarlo Lamonaca, Nulla accade veramente, exhibition view

Giancarlo Lamonaca beschäftigt sich in seinen großformatigen Fotografien mit einer vertiefenden Recherche rund um Raum-Zeit-Situationen. Er überlagert oder überblendet dabei Fotografien, und schafft somit Illusionen, die unsere Wahrnehmung an die Grenzen ihrer Möglichkeiten bringt.

Giancarlo Lamonaca, Nulla accade veramente, exhibition view

Giancarlo Lamonaca, Nulla accade veramente, exhibition view

Ausgangsbasis für seine Überlagerungsarbeiten sind Bildmaterialien, die er in der Natur, aber auch in architektonischen Kontexten vorfindet, und die er je nach Bedarf mit unterschiedlichen Fotoapparaten festhält, von Großformat über Mittel- bis Kleinformat, sei es analog als auch digital. Diese Materialien bilden die Basis für eine fortgeführte Recherche, in der er anhand von Fotografie eine komplexe Welt von undefinierbaren räumlichen und zeitlichen Situationen entstehen lässt. Dabei macht sich Giancarlo Lamonaca die technischen Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung zunutze, indem er Fotografien in digitaler Form am Computer weiterbearbeitet. So werden auch mediale Zuordnungen aufgeweicht, und der Betrachter findet sich vor der Frage, ob diese Arbeiten eher dem Medium der Fotografie oder jenem der Malerei oder grafischen Techniken zugeordnet werden können. Durch den stark räumlichen Zugang erfahren Lamonacas Bildwelten, die immer ausschließlich als Einzelstücke produziert werden, sogar einen architektonischen und objekthaften Charakter. Die Galerie foto-forum zeigt mit dieser Einzelausstellung erstmals einen umfassenden Überblick über die künstlerische Recherche des Künstlers Giancarlo Lamonaca, und präsentiert verschiedene Werkserien aus den Jahren 2007 bis hin zu ganz aktuellen Arbeiten.

Giancarlo Lamonaca, Nulla accade veramente, exhibition view

Giancarlo Lamonaca, Nulla accade veramente, exhibition view

Das Medium der Fotografie beinhaltet grundlegend die Frage nach der Realität von Darstellungen, womit ganz eng auch die Frage nach der Überprüfbarkeit von räumlichen und zeitlichen Situationen und Abläufen verknüpft ist. Giancarlo Lamonaca will anhand einer experimentierenden Zugangsweise zur Fotografie der Frage nach dem Wahrheitsgehalt unserer Wahrnehmung auf die Spur kommen, und gleichzeitig die Vorstellung von einer linear verlaufenden Zeit in Frage stellen. Dabei vertieft er sich in philosophische Auseinandersetzungen, die seit der Antike über die Relativitätstheorie bis heute das Raum-Zeit-Kontinuum kritisch hinterfragen: Gibt es einen Raum „an sich“, unabhängig von Wahrnehmung und Vorstellung, oder ist er lediglich eine Anschauungsform des wahrnehmenden Subjekts? Ist der mathematisch berechenbare Raum mit dem Raum unserer Erfahrungen identisch? Und wenn wir die Zeit nicht als fortlaufendes Geschehen, sondern als ewiges Jetzt verstehen? Die daraus entstehende Vielfältigkeit sowie die Annahme, dass jenseits festgelegter Parameter keine allgemein vergleichbare Wahrnehmungsebene existiert, wird in den Bildern von Giancarlo Lamonaca deutlich.

Giancarlo Lamonaca, Nulla accade veramente, exhibition view

Giancarlo Lamonaca, Nulla accade veramente, exhibition view

Der Titel der Ausstellung platziert ein Statement, das unser Ordnungssystem gehörig auf die Probe stellt. Alles geschieht gleichzeitig – nichts geschieht wirklich – nulla accade veramente. In seinen Arbeiten konstruiert Lamonaca eine Form der Desorientierung, die wir durch gewohnte Erkenntnismuster und Ordnungssysteme wieder ins Lot zu bringen trachten. Aber gleichzeitig sind wir auch fasziniert von den neuen Welten, die in diesen Bildern entstehen. Naturabbildungen wandeln sich durch Rorschach-Collagen in ornamentale Teppichmuster, reale Räume erlangen durch Spiegelungen und Täuschungen eine verschachtelte Dichte, leere Räume stülpen sich nach außen, erdiger Boden wird durch Makroaufnahmen zum Universum. Wenn wir uns darauf einstellen, dann können wir eintauchen und uns treiben lassen, denn hier sind Kategorien von oben und unten, durchlässig und opak, schwer und leicht, vorne und hinten, gestern und morgen aufgehoben und in Frage gestellt, und wir befinden uns im Raum der vielen Möglichkeiten. Wenn sich gewohnte Systeme ändern, kommen wir zu neuen Erkenntnissen. Dies ist der inhaltliche Ansatz, der die künstlerische Strategie von Lamonaca auszeichnet.

Giancarlo Lamonaca

Giancarlo Lamonaca

Bilder der Vernissage

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