Upcoming Exhibition: Reclaiming the Body – Grete von Glashagen, Emanuel Crepaz, Ethan Edoardo Asper feat. Frida Orupabo
Eröffnung: 2.10.2026, 19 UhrAusstellung: 3.10.2026 – 7.11.2026Kuratiert von Giulia Cordin und Eva LeitolfIn Zusammenarbeit mit Studio Image/unibz, BAW, Galerie Nordenhake

Courtesy: Frida Orupabo and Galerie Nordenhake Berlin/Stockholm/Mexico City, „Falling from horse“ 2024. @Gerhard Kassner. Exhibition „Reclaiming the Body“ by Foto Forum, Bolzano/Bozen (Italy), 2026
Reclaiming the Body bringt feministische, queere und Schwarze künstlerische Positionen zusammen, die sich kritisch mit Darstellungen des Körpers, von Geschlecht und Sexualität in der zeitgenössischen visuellen Kultur auseinandersetzen. Die Ausstellung basiert auf dem Verständnis, dass Identität, Geschlechterrollen und Formen des Begehrens weder natürlich noch rein individuell sind, sondern historische und soziale Konstruktionen, die durch Machtverhältnisse, kulturelle Normen und Prozesse der Ausgrenzung geprägt werden.
Durch unterschiedliche künstlerische Herangehensweisen und Perspektiven untersuchen die gezeigten Arbeiten, wie Bilder zur Hervorbringung, Legitimierung und Unterwanderung dieser Strukturen beitragen. Dabei machen sie jene Mechanismen sichtbar, die Körper disziplinieren und bestimmen, wer gesehen, begehrt, gehört oder dargestellt werden kann. Der Körper erscheint so als Ort von Konflikt und Aushandlung, an dem sich Fragen von Geschlecht, Race, Klasse, Sexualität und Zugehörigkeit überschneiden und entfalten.
Die Ausstellung thematisiert unter anderem die Konstruktion von Geschlechterrollen, Körperpolitik, Selbstdarstellung, Queerness, Pornografie, die Performativität von Identität sowie die Kommerzialisierung des Begehrens. Mit Strategien, die von der Aneignung und Rückeroberung von Bildern über die Dekonstruktion von Stereotypen und autobiografische Erzählungen bis hin zur Kritik visueller Medien reichen, stellen die beteiligten Künstler*innen normative Modelle und dominante Vorstellungswelten infrage.
In diesem Zusammenhang erscheint der Körper nicht nur als Objekt sozialer Kontrolle, Überwachung und Kategorisierung, sondern zugleich als Raum des Widerstands, der Selbstbestimmung und der politischen Transformation. Reclaiming the Body lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie Identitäten konstruiert und dargestellt werden und wie künstlerische Praktiken Räume für Sichtbarkeit, Emanzipation und kollektive Imagination schaffen können – indem sie den Körper als Territorium von Freiheit, Handlungsmacht und Möglichkeiten zurückgewinnen.
In der Ausstellung werden neben den Arbeiten der beteiligten Künstler*innen auch Buchprojekte von Alixe Côté, Emanuel Crepaz, Alessia Formica, Maria Sole Gorni und Sophia Sacchelli gezeigt.
Frida Orupabo
Ada, 2024
CMYK-Druck auf eloxiertem Aluminium, sprühlackierter Stahl
Falling from horse, 2024
Collage: Pigmentdruck auf säurefreiem Baumwollpapier, Montageklebeband, Musterbeutelklammern

Courtesy by Mette Ulstrup & Frida Orupabo and Galerie Nordenhake Berlin/Stockholm/Mexico City, „Ada“ 2024. @Gerhard Kassner. Exhibition „Reclaiming the Body“ by Foto Forum, Bolzano/Bozen (Italy), 2026
Die norwegisch-nigerianische Künstlerin und Soziologin Frida Orupabo schafft analoge und digitale Collagen sowie Videoinstallationen aus visuellem Material, das online zirkuliert. Ausgehend von Fotografien aus der Kolonialzeit ebenso wie von zeitgenössischen Bildwelten – von Ethnografie, Medizin und Wissenschaft bis hin zu Kunst und Popkultur – untersucht Orupabo Darstellungen des Schwarzen, überwiegend weiblichen Körpers, um Themen wie koloniale Gewalt, Rassismus, Sexualität, Identität und Zugehörigkeit zu verhandeln.
Indem sie die zerlegten Fragmente neu anordnet und zusammensetzt, schafft Orupabo Figuren des Widerstands, die infrage stellen, wie und was wir in einer gegenwärtigen Realität sehen, die weiterhin von kolonialen Strukturen durchdrungen ist.
Grete von Glashagen
Aftertouch Vol. 1, 2025
9′ 30“ Dreikanal-Videoinstallation

Grete von Glashagen: Aftertouch Vol. 1, 2025, Exhibition „Reclaiming the Body“ by Foto Forum, Bolzano/Bozen (Italy), 2026
Aftertouch Vol.1 ist ein mehrdeutiger Titel. Einerseits verweist er auf einen musikalischen Begriff, der den anhaltenden Druck auf eine Taste beschreibt, nachdem sie angeschlagen wurde; im übertragenen Sinne bezeichnet er zugleich das emotionale Nachwirken eines sexuellen Übergriffs.
Die Arbeit besteht aus einer Dreikanal-Videoinstallation in Verbindung mit einem performativen Teil und erkundet das komplexe, veränderte und verdrehte Terrain weiblicher sexueller Selbstbestimmung und Lust. Durch stroboskopische Projektionen in einem abgedunkelten Raum, Technomusik und vielschichtige Spoken-Word-Passagen erzeugt die Arbeit eine bizarre Spannung zwischen aufgewühlter Erwartung, sensorischer Überreizung und lähmendem Entsetzen.
Den Kern der Arbeit bildet der Songtext: drei Geschichten, die der Künstlerin von Frauen aus ihrem nahen Umfeld erzählt wurden – Geschichten über Sex, Machtdynamiken und Grenzverletzungen. Wie wird weibliche Sexualität durch internalisierte und äußere Machtstrukturen geprägt? Weibliches Begehren und Lust scheinen kaum von Trauma zu unterscheiden zu sein. Um beides voneinander zu trennen – Wort für Wort, Erinnerung für Erinnerung –, muss es zunächst kritisch untersucht und vor allem beim Namen genannt werden.
Aftertouch Vol.1 ist der erste Teil einer fortlaufenden Serie, die auf Interviews und Geschichten zahlreicher weiterer Frauen basiert.
Ich habe noch eine Geschichte, und wenn du willst, kann ich sie dir erzählen. Sie ist allerdings ziemlich schwer anzuhören. Willst du sie hören? Bist du sicher, dass du sie nicht hören willst? Ich glaube, ich sollte sie dir erzählen. Du willst nicht? Du willst sie nicht hören? Ich werde sie dir erzählen, ja. Ich werde sie dir erzählen. Bereit?
Emanuel Crepaz
Ongoing, 2026
6′ 13“ Video

Emanuel Crepaz: Ongoing, 2026. Exhibition „Reclaiming the Body“ by Foto Forum, Bolzano/Bozen (Italy), 2026
Hast du dich jemals angeschaut gefühlt? Hast du dich jemals wirklich gesehen gefühlt? Wie hat sich das angefühlt? Wie sieht dieser Moment aus, in dem du erkennst, dass du endlich gesehen und nicht nur angeschaut wirst? Wann geschieht dieser Wandel?
Und wenn ich mich selbst nur betrachte, anstatt mich wirklich zu sehen – was hilft mir dann? In welchem Verhältnis stehen Angeschautwerden und Gesehenwerden zueinander?
Der Arbeitsprozess begann im Außen, in Gesprächen, und verlagerte sich zunehmend nach innen – auf der Suche nach einer inneren Welt, danach, Raum und Zeit zu schaffen, um durch die eigene Wahrnehmung zu navigieren, sie zu sehen und aufzunehmen und schließlich wieder loszulassen.
In der Unterwasserwelt, in der sich ein Gefühl noch größerer Fluidität vermittelt, vollzieht sich ein Prozess des Kraftschöpfens durch Verletzlichkeit und durch das Ablegen einzelner Schichten.
Yo no soy yo.
Soy éste,
Que va a mi lado sin yo verlo;
que, a veces, olvido.
El que calla, sereno, cuando hablo,
el que perdona, dulce, cuando odio,
el que pasea por donde no estoy,
el que quedará en pie cuando yo muera.
(Juan Ramón Jiménez)
Emanuel Crepaz und Ethan Edoardo Asper
A Day at the Lake, 2026
2′ 37″ 4K-Video
Unvollendetes kollaboratives Projekt
Bücher von
Alixe Côté
Emanuel Crepaz
Alessia Formica
Maria Sole Gorni
Sophia Sacchelli
Besonderer Dank an
Mette Ulstrup & The Artist und Galerie Nordenhake Berlin/Stockholm/Mexico City


